Ebbe.Tausend Gedanken durchstroemen meinen Kopf.
Manchmal geht alles so langsam. Und dann kommen mir Zweifel.
Ob meine Arbeit gerechtfertigt ist. Ob die Projekte gut sind.
Ob ich noch nah an den Jugendlichen bin.
Dann kommen in mir Sachen aus der Vergangenheit hoch, die mich zerreisen wollen.
Fehler die ich gemacht habe, Leute die ich verletzt habe und Unsicherheit.
Und dann frage ich mich wer ist eigentlich "Gott".
Ich mein fuer mich persoenlich. Nicht was ich von ihm weiss. Sondern wer er fuer mich ist. Und mach mich auf die Suche.
Dienstag 20.107 Uhr morgens.
Ich habe die ganze Busfahrt nach Jaco gepennt.
Kurzer Blick auf mein Rucksack zwischen den Beinen.
Erleichterung. Es ist noch alles da.
Ich treffe mich gleich mit Edgar in einem kleinen Vorort von Jaco.
Edgar ist ein kolumbianischer Freund von mir von Christian Surfers.
Er muss dort auf ein Haus aufpassen. Und ich werde mich die naechsten zwei Tage bei ihm einquatieren.
10 Uhr morgens.
Wir fahren zur CS Base.
Wollen mit paar Jungs vom Fluss (versteckte Armenghetto in Jaco) Surfboards reparieren. Besser gesagt ich lasse mich in die Kunst des Boardreparierens einweisen.
12 Uhr.
Wir verabreden uns mit den Flussjungs zum Surfen.
13 Uhr.
Haben gehoert, dass sich ein PKW am Fluss festgefahren hat. Genau am Ghetto der Jungs. Wir hin. Versuchen das schrottreife Auto aus dem Fluss zu ziehen. Doch ist Edgars Auto zu schwach und vergraebt sich in den dreckigen Fluss.
Meine Augen wamderm den Fluss entlang. Sehen nur eins. Armut. Bitter.
Auf einmal kommt ein anderes Auto. Ein Tier von einem 4x4.
Ruckzuck haben wir das Auto draussen.
Genau rechtzeitig bevor sich der Fluss des Autos bemaechtigt haette.
Wir nehmen die Jungs direkt mit an den Strand.
14 Uhr.
Surfen.
Wir alle freuen uns. Bete um Schutz.
Und ab gehts. Raus aus dem Alltag und rein ins Wasser.
Die Stroemung ist ungewoehnlich stark und die Wellen sind richtig gross und schwer.
Habe Zweifel ob ich schon fit fuer diese Kategorie bin.
Aber ich versuche es. Folge den Jungs.
Heute ist es wirklich schwierig hinter die Wellenbrechzone zu kommen.
Wer ist eigentlich auf die beschissene Idee gekommen gegen den Strom zu schwimmen?
Aber jammern gilt net.
Meine erste Welle.
Schlechte Wahl. Eine Wand die auf der ganzen Linie einfach nur zusammenbricht. Leider merke ich das erst, als ich auf dem Brett stehen und mir nichts anderes bleibt als abzuspringen. 2,5 Meter. Als ich ins Wasser platsche kracht die Welle ueber mir ein. Das war nichts.
Und wieder reinpaddeln.
Koky der Director von CS Costa Rica gessellt sich zu uns.
Wir sind ne lustige Truppe.
Die naechste Welle ist ein voller Erfolg. Perfektes Timing. Ich fahr die Welle!
Unglaublich. Allerdings gelingt mir der Turn nicht und falle.
Meine bisher groesste Welle!
Kurz vor Ende der Session hoer ich einen Ruf von einem der Jungs vor mir.
Wir alle sind hinter der Wellenbrechlinie.
4 Jungs 10 m hinter mir.
2 Jungs 10 m vor mir.
Ich hoere nur "Schnell.Paddelt, Set".
Was sich jetzt vor mir aufbaeumt habe ich noch nie erlebt.
Ich versuche zu paddeln. Doch ich merke dass ich es nicht schaffen werde. Diese Welle wird direkt vor mir brechen oder auf mir...
Habe Angst...
Schliess die Augen und tauche ab.
Werde unter Wasser umhergewirbelt. Versuche aufzutauchen. Aber der Sog laesst mich nicht hoch. Mein Leash zieht an meinem Bein.
Fuer einen kurzen Moment weiss ich nicht wo oben und unten ist.
Merke dass die Luft eng wird.
Bekomm Panik und beschliesse mit aller Kraft an die Oberflaeche zu kommen.
Schaffe den Kopf kurz raus zu bekommen und schnappe nach Luft bevor mich der Sog wieder einzieht.
Dann beruhigt sich alles wieder und ich schaffe es an mein Brett zu kommen.
Ich dreh mich um. Und schon knallt die naechste riesen Welle runter.
Das ganze Schauspiel noch einmal. Diesmal kaempfe ich nicht sondern Warte bis sich dass Wasser beruhigt. Tauche auf. Hole Luft und die letzte Welle des Sets bricht.
Als ich auftauche bin ich fertig.
Dieses Monster Set hat uns alle an den Strand gespuelt.
Mit einer Wucht die sogar fuer Locals ungewoehnlich war.
Brauch ne Pause. Verlasse das Wasser. Setzte mich erschoepft in den Sand.
Danach beruhigt sich das Wasser etwas und ich geh wieder rein.
Geniesse die letzte Stunde im Wasser.
Treffen uns alle heile wieder am Auto und staunen ueber das was passiert ist.
Ein Junge meinte, dass als er mich 10 m vor ihm vor dieser Welle gesehen hatte nur noch gebetet hatte das nichts passiert.
Hatte alles nicht so realisiert.
Wir hatten nur ein gerissenes Leash und nichts weiters.
Danke.
17 Uhr
Verabreden uns mit den Jungs fuer 21 Uhr. Edgar und ich haben die 5 Jungs vom Fluss eingeladen in dem Haus von Edgar zu uebernachten und zusammen Essen, Film gucken und ueber Gott und die Welt zu reden.
19 Uhr.
Geh mit Edgar in die Surf Church in Jaco.
Voellig geil.
Lesen Roemer 2.
Keiner kann behaupten vor Gott gut zu sein.
Kein einziger Mensch.
Nichtmal die heiligsten aller Heiligen.
Und ich schon gar nicht.
Und so stehe ich vor Gott mit leeren Haenden.
Das ist die schlechte Nachricht.
Die Gute ist, dass jemand fuer mich meine ganze Schuld getragen hat.
Alles was ich in meinem Leben anhaeufen werde ist vergeben.
Unverdient.
Und Jesus hat es das Leben gekostet.
Mir gibt es Frieden, Freiheit und ein Leben nach meinem Tod.
Danke Gott.
21 Uhr
Fahren mit den Jungs zu Edgars Haus. Alle sind aufgeregt.
Sowas gabs noch nicht.
Angekommen mache ich und ein Junge Spaghetti.
Gucken nen Filmchen und reden mit den Jungs.
Sie lachen viel und man merkt, dass es fuer sie etwas besonderes ist.
24 Uhr
Erschoepft schlafe ich auf dem Sofa ein.
Mittwoch 21.107 Uhr
Es regnet. Fahre mit den Jungs im Bus nach Jaco rein. An ihrer Haltestelle dreht sich einer der Jungs um und sagt:
Meche, danke fuer alles!
Er haette nichts sagen muessen.
Seine Augen waren voll Dankbarkeit.
Einen lieben Gruss aus den fernen Costa Rica
dein
Meche
Montag 19.10